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Membranen

Veröffentlicht am 23.07.2014 in Materiallexikon | ««
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Membranen Allgemein

Fakten zur Klimamembran Kaum ein anderes Teil der Motorradfahrerbekleidung hat in den vergangenen Jahren soviel Aufmerksamkeit erfahren wie die so genannte Klimamembran. Kaum eine textile Jacke oder Hose kommt ohne sie aus, von Handschuhen und Stiefeln – selbst für den Renneinsatz – gar nicht zu reden. Sogar in Lederkombis findet sich immer häufiger eine solche Membran. Kein Schwitzen und kein Frieren mehr, keine auskühlender Fahrtwind mehr, keine Regenkombi mehr mitschleppen – die Membran scheint die eierlegende Wollmilchsau des Bekleidungssektors zu sein. Nur: Was verbirgt sich hinter all den Fachbegriffen? Hier die Aufklärung:

Mikroporöse Membran Hier lassen mikroskopisch kleine Öffnungen Wasserdampfmoleküle (Schweiß) nach außen entweichen, ohne umgekehrt Wassertropfen nach innen zu lassen. Porenlose Membrane bestehen entweder aus Poly­urethan (Beispiele Aerotex, Soltotex, Sheltex) oder Polytetrafluo­r­ethylen, (PTFE), kurz Teflon, wie es von Gore verwendet wird. Doch ob PU oder PTFE, die Membranfolie wird auf ein Trägergewebe auflaminiert. Eine zweite Verarbeitungsmöglichkeit ist die Beschichtung, die bei der Herstellung als Paste aufgetragen wird und dann trocknet, z.B. Drygate, Humax oder Techpor.

Porenlose Membran Diese besteht fast immer aus PU und wird als 0,025 mm dünne Folie auf ein Trägergewebe laminiert. Die porenlose Membran ist von außen dicht, während Wassermoleküle auf physikalisch-chemischem Weg durch wasseranziehende Moleküle nach außen gelangen. Beispiele für porenlose Membrane sind Sympatex, Premium-Polotex, Venturi oder Reissa.

Funktionsprinzip Wenn es ihm zu warm wird, beginnt der Mensch zu schwitzen. Der Schweiß verdunstet und entwickelt Verdunstungskälte. Wird der Schweiß jedoch nicht abtransportiert und kommen dann noch Kälte und Wind dazu, beginnt man zu frieren. Hier greift eine Klimamembran ein, indem sie den Schweiß in Form von Wasserdampfmolekülen vom Körper wegbringt.

Atmungsaktivität Dies ist ein populäres Wort für die Wasserdampfdurchlässigkeit. Je höher diese ist (gemessen in g/m2/h), umso besser funktioniert der Abtransport der Wasserdampfmoleküle. Temperaturgefälle Damit eine Membran funktioniert, muss ein Temperaturgefälle von innen nach außen herrschen – je größer, desto besser. Herrschen Außentemperaturen in Höhe der Körpertemperatur oder darüber, wird der Schweiß nicht mehr wegtransportiert. Vie­le Textilhersteller bauen mitt­ler­weile Belüftungsreißverschlüs­se in ihre Anzüge ein. Durch sie trifft Fahrtwind auf die Membran, sie kühlt ab und kann Feuchtigkeit wieder wegbefördern.

Chill-Effekt Bezeichnet den Kühlfaktor von Wind, der den Körper eine niedrigere Außentemperatur fühlen lässt, als tatsächlich herrscht. Eine Klimamembran verhindert den Chill-Faktor, weil sie den Fahrtwind abhält.

Air-Vent Die Belüftungsreißverschlüsse in der Motorradbekleidung sorgen dafür, dass - durch den Fahrtwind angetrieben - frische Luft um die Membrane strömen kann. Dadurch wird der Feuchtigkeitstransport unterstützt und das Innere der Jacke gekühlt.

Funktionswäsche Wichtiges Kleidungsstück, um die volle Wirksamkeit einer Klimamembran zu erreichen. Funk­tionswäsche, zum Beispiel Coolmax, Tactel, Outlast o.ä., leitet den Schweiß von der Haut weg und hin zur Membran, wo er in Wasserdampfmolekülform den Weg ins Freie findet. Eine schlech­te Wahl ist Baumwolle, weil sie sich mit Schweiß vollsaugt und der Fahrer durch die Verduns­tungs­kälte möglicherweise friert.

Z-Liner Ist die gebräuchlichste und kostengünstigste Art, eine Klimamembran zu verarbeiten. Hier hängt die Membran zwischen Obermaterial und Futter als Jacke in der Jacke, ist punktuell mit dem Oberstoff verbunden und im Idealfall für heiße Tage oder zum Waschen herausnehmbar. Jacken und Hosen mit Z-Liner-Methode bieten Designern viele Gestaltungsmöglichkeiten. Nachteil: Saugt sich der Oberstoff mit Wasser voll, entsteht Verdunstungskäl­te und man beginnt zu frieren.

Zwei-/Dreilagen-Laminat Hier sind Oberstoff und Membran bzw. Oberstoff, Membran und Futter fest miteinander verbunden, die Nähte sind wasserdicht verschweißt. Vorteil der Laminatlösung ist der bessere Schutz der Membran vor Beschädigungen, Nach­teil ist die aufwendige und da­mit relativ teure Verarbeitung. Dreilagen-Laminat kommt zu­dem recht steif daher und bietet einen nur eingeschränkten Tragekomfort.

Waschen Unbedingt die Pflegehinweise des Herstellers beachten. Mikroporöse Membrane dürfen beispielsweise nur mit speziellen Waschmitteln in die Maschine, weil herkömmliche Waschmittel und Weichspüler die Poren verstopfen können. Nach dem Waschen gehören die Sachen auf einen Bügel an einen warmen Ort, danach empfiehlt sich das Einsprühen mit einem Im­prägnierspray.


WINDSTOPPER®

Von GORE® entwickeltes Hightech-Material, das etwa 2,5 Mal soviel Schutz gegen Kälte bietet wie herkömmliche Materialien. Es hält den Wind ab und ist gleichzeitig hoch atmungsaktiv. 100% Polyester.

HUMAX®

Die mikroporöse Membrane auf Polyurethanbasis hat unterschiedlich großen Poren. Sie ist wasserdicht, winddicht und enorm atmungsaktiv. Unzählige Poren (1,4 Milliarden auf 1 cm2) verhindern, dass der große Regentropfen eindringt; die kleinen Wasserdampfmoleküle der Körperfeuchtigkeit können aber entweichen. 100% Polyurethan

REISSA®

Die dreilagige, mikroporöse Membrane ist mit einer PU-Beschichtung versehen und hat unterschiedlich großen Poren. Sie ist wasserdicht, winddicht und sehr atmungsaktiv. 100% Polyurethan.

GERMATEX®

Die mikroporöse Polyurethan-Klima-Membrane aus unserer eigenen Entwicklung, hoch belastbar und langlebig. Geprüfte Wasserdichtigkeit nach DIN EN 20811. Die Lebensdauer bei guter Pflege beträgt über 10 Jahre. Erhältlich in 3 Wassersäulen: 4.500, 6.000 und 8.500 mm (83 kPa). 100% Polyurethan.

HIPORA®

Eine wasserdichte und atmungsaktive Membran aus dünnem, flexiblem Polyurethan. Sie wird überwiegend bei Handschuhen und Halswärmern verwendet. Diese Membran wird auch bei extremer Kälte nicht steif, eine Eigenschaft, die für Handschuhe sehr wichtig ist. Der etwas größere Porendurchmesser begünstigt die Beweglichkeit bei tiefen Temperaturen, allerdings kann damit die Wassersäule nur einen Maximalwert von 4.200 mm erreichen. 100% Polyurethan.